Eine gamifizierte Weihnachtsgeschichte

24. December 2014

“Oh, guck mal, Josef!”

    Maria stand am Rand des Hügels oberhalb von Bethlehem und zeigte gegen den eindunkelnden Abendhimmel.

    “Die Sterne strahlen heute aber besonders hell.”

    Tatsächlich. Obwohl es noch gar nicht so spät war, und der Himmel am Horizont noch in satten Rot-Tönen leuchtete, waren die Sterne doch schon in aller Deutlichkeit zu sehen.

    “Hm, schön siehts aus, aber wir müssen jetzt schleunigst eine Unterkunft finden.” brummte Josef in seinen Bart und legte den Arm um Marias Schultern.

    “Vielleicht dort unten.” meinte er und zeigte auf einen kleinen Stall, der in einiger Entfernung im Tal lag. Irgendwie kam es ihm vor, als ob die Sterne einen Pfeil bilden würden, der auf diesen Stall hinweist. Aber das war natürlich dummes Zeug und gar nicht möglich.
    Er half Maria zurück auf den Esel, was gar nicht so einfach war mit dem riesigen Bauch. Lange konnte es nicht mehr dauern bis zur Niederkunft, da war es umso dringlicher ein brauchbares Lager zu finden.

    Je näher sie dem alten Stall kamen, desto heller schien der Pfeil aus Sternen am Himmel zu leuchten. Und als sie endlich am Ziel ankamen, gab es am Himmel einen Blitz, obwohl nirgends ein Gewitter zu sehen war.
    “Halleluja!” ertönte es vom Himmel.
    “Level geschafft”, meinte Maria. 
    “Was meinst du?” fragte Josef völlig verdattert.
    “Oh, keine Ahnung, das kam mir jetzt irgendwie einfach in den Sinn. Lass uns hineingehen und schauen ob sich der Stall für eine Übernachtung eignet.”
    Zögernd drückten sie gegen die Tür, welche sie quitschend öffnete. Im Stall war es wohlig warm und duftete nach Heu, und ausser einem alten Ochsen war alles leer.
    Der Ochse hob den Kopf und sagte: “Achievement unlocked!”, worauf ihn Josef mit offenem Mund anstarrte.
    “Hier können wir uns ausruhen” meinte Maria und liess sich auf einem Haufen mit frischen Stroh nieder. Durch ein kleines Fenster sah sie den leuchtenden Sternenhimmel.
    Es dauerte nicht lange und die Wehen setzten ein. Nach einiger Zeit verkürzten sich auch schon die Intervalle und Maria Atem kam stossweise. Während sie aus dem Fenster zu den Sternen schaute, hatte sie das Gefühl die Sterne würden im Takt ihrer Wehen pulsieren. Jedesmal wenn die Wehen einen neuen Takt einnahmen, verschwand eine Reihe von Sternen. So konnte sie genau sehen, wie viele Wehen sie noch zu ertragen hatte.
    “Jetzt geht es nicht mehr lange”, meinte Maria, “wir sind kurz vor dem Ziel”. Und tatsächlich! Bald darauf brachte Maria einen Sohn zur Welt. Am klaren Sternhimmel erstrahlte wieder ein Blitz, und eine Reihe mit Engeln erschien welche gemeinsam “Halleluja, Halleluja!” sangen.

    “Achievement unlocked.” sagte der Ochse. Der Mund von Josef klappte wieder herunter.
    “Bossfight geschafft” meinte Maria mit einem Lächeln auf den Lippen. “Was für eine Belohnung!” Mit Tränen in den Augen nahm sie ihren Sohn aus den Händen von Josef entgegen.
    Da klopfte es an der Tür, und mehrere Hirten standen da. Ein Engel hätte ihnen gesagt, hier würde heute der Heiland geboren.
    “Ah, ein Bonuslevel!” meinte Maria, und Josef versuchte gar nicht mehr zu verstehen was sie von sich gab.
    Und nochmal klopfte es an der Tür, und drei Weisen aus dem Morgenland brachten tolle Geschenke. Ein Stern habe ihnen den Weg gewiesen, erzählten sie dem staunenden Paar.
    “Bonus Level geschafft!” meinte Maria und streckte jedem Weisen einen Orden entgegen.
    “Achievement unlocked” freute sich der Ochse und legte sich schlafen.