The missing link

25. February 2014

(Bildquelle: http://businessleadershipmanagement.tumblr.com)
 

Wir laden Sie ein zu einer kleinen Reise. Einer Zeitreise. 1890, Generalversammlung der neugegründeten Schweizerischen Südostbahn. Der Entwicklungsleiter steht auf dem Podest und wagt die Vermutung, dass das Ende der industriell genutzten Dampfmaschinen naht...

Die Versammlung reagiert empört. «Vollkommen absurd!» tönt es aus der aufgebrachten Menge. «Den Dampfmaschinen gehört die Zukunft — sie sind nicht mehr wegzudenken aus der modernen Industrie!» oder «Der ist doch reif für die Anstalt!»

Zurück in die Gegenwart. Wie würden Sie auf die Behauptung reagieren, dass es bald keine Haustürschlüssel mehr geben wird? Mit Unglauben? Verwunderung? Neugier? Es hört sich wirklich etwas absurd an, denn auch in Zukunft werden die Leute ihre Häuser sicher zusperren wollen — Schlüssel sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken! So scheint es jedenfalls…

Es gab eine Zeit, da waren auch Schreibmaschinen unverzichtbar. Oder VHS–Kassetten. Uns fällt es enorm schwer, Dinge des alltäglichen Lebens in Frage zu stellen. Aber die Welt verändert sich, ununterbrochen. Und mit ihr verändern sich auch die Technologien, die Gesellschaft, die Wirtschaft. Der Wandel bringt Innovationen hervor und Innovationen treiben den Wandel voran — ein ewiger, immer schneller drehender Kreislauf.

Manchmal ist es verrückt, wie rasch bestimmte Paradigmen überholt sind. So kann es passieren, dass Marktführer wichtige Trends und Entwicklungen übersehen und innert kurzer Zeit ihre Position verlieren oder gar vom Markt verschwinden — unabhängig von Grösse und Branche der Unternehmen. Beispiele dafür gibt es genug: Nokia, Nixdorf, Kodak, AEG, Grundig, Rollei, Agfa etc. Wieso schafften es diese Unternehmen nicht, den Wandel richtig zu interpretieren und daraus wirkungsvolle Massnahmen abzuleiten? Und warum gelingt es anderen Unternehmen, sich immer wieder erfolgreich anzupassen?

Selbstverständlich gibt es dafür keine einfachen Antworten. Doch neben Glück und Zufall existiert ein Grundmuster, das die erfolgreichen Unternehmen verbindet. Ein Baustein, der zu einem fundamentalen Teil am wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg beiträgt. Die Rede ist von einem Aspekt, dem immer noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird: der Kultur eines Unternehmens.

Die Unternehmenskultur ist eine Art gatekeeper, der ganz bestimmte Menschen anzieht oder abstösst. Interessenten können sich deswegen schon vor der Bewerbung für eine Firma begeistern oder Mitarbeiter können sich unwohl fühlen und künden. Dieses spezifische, einzigartige Milieu ist überall vorhanden — egal ob es sich dabei um eine Kinderkrippe, eine Bank oder eine Design–Agentur handelt. Die Unternehmenskultur gründet auf einem Fundament aus Werten und Normen. Sie beeinflusst das Verhalten aller Mitarbeiter und somit die gesamten Firmenaktivitäten grundlegend. Grössere Unternehmen verfügen natürlich meist über gewisse Subkulturen, diese stehen jedoch immer in Relation zum Gesamtkonstrukt. So tickt beispielsweise die Design–Abteilung von Volkswagen anders als andere Konzernbereiche, aber die Grundkultur entspricht dennoch  eher derjenigen von Volkswagen als einer unabhängigen Design–Agentur.

Einen besonderen Platz in der Unternehmenskultur nimmt die Innovationskultur ein. Sie prägt ganz massgeblich die Haltung, mit der ein Unternehmen seiner Zukunft gegenübersteht. Die Innovationskultur beeinflusst den Umgang mit Ideen und Impulsen und die Haltung gegenüber Veränderungen, Unbekanntem und Diffusem. Von ihr hängt ab, wie schnell und effizient ein Unternehmen auf technologische, gesellschaftliche, ökologische und wirtschaftliche Entwicklungen reagieren kann. Eine positive Innovationskultur kann Ängste und Hürden abbauen und hilft, grundsätzliche Denkfehler zu vermeiden. Denkfehler wie etwa die Annahme, dass sich der eigene wirtschaftliche Kontext nicht verändert. Sie hilft uns, zu akzeptieren, dass in der globalisierten, digitalen und vernetzten Welt immer mehr schwarze Schwäne auftauchen werden (Taleb 2010) und Märkte disruptiv verändern (Christensen 2011).

Die Innovationskultur bestimmt also die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens und entscheidet zu einem bedeutenden Teil über dessen wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg. In den meisten Fällen fehlen jedoch schlicht die Zeit, das Methodikwissen und die Tools, um sich dem Thema anzunehmen. Eine positive Innovationskultur entwickelt sich bei etablierten Unternehmen nicht von selbst - dafür müssen sie bestimmte Rahmenbedingungen schaffen. Freiräume zulassen beispielsweise. Denn eine der häufigsten Ursachen für eine verminderte Innovationsleistung ist das Daily-Business–Dilemma. In diese Falle geraten Unternehmen, die sich fast ausschliesslich auf ihr Tagesgeschäft konzentrieren. Das verschleiert die Weitsicht und stumpft die Sensibilisierung für grundsätzliche Entwicklungen und neues Potenzial ab — und kann einem Unternehmen auf die Dauer das Genick brechen.

 

Was sind die Herausforderungen in Ihren Unternehmen? Stecken auch Sie im Daily-Business-Dilemma fest? Oder sind Ideen vorhanden, aber die Umsetzungsprozesse verlaufen harzig?

 

Die Spezialisten von Innoveto nehmen Ihr Unternehmen gerne unter die Lupe, zeigen Handlungsfelder und Verbesserungspotenzial und begleiten den Prozess der Innovationsförderung.

Haben Sie Anregungen zum Artikel? Nehmen Sie Kontakt mit dem Autor Florian Baumgartner auf! florian.baumgartner@innoveto.com