Warum Belohnungen die Motivation zerstören können

29. July 2014

In meinem letzten Beitrag habe ich Ihnen ein Geschäft vorgeschlagen, welches nicht attraktiv war. Darin wurde aufgezeigt, warum der Fokus auf intrinsische Motivation erfolgversprechender ist als der reine Fokus auf extrinsische Motivation wie Belohnungen. Können wir jedoch motivierende Tätigkeiten, welche also intrinsisch motiviert sind, mit zusätzlichen Belohnungen verknüpfen, führt das zu noch mehr Vergnügen. Wenn Sie also Ihr Hobby zum Beruf machen könnten, und für Ihre Tätigkeit auch noch Geld verdienen, tönt das wie ein Traumzustand.

Es liegen aber auch Gefahren in der extrinsischen Motivation. Solange uninteressante Tätigkeiten belohnt werden, funktioniert es gut. Bei attraktiven Tätigkeiten kann eine extrinsische Belohnung aber das Gegenteil bewirken. Sobald Geld im Spiel ist, sind Erwartungen und Verpflichtungen damit verknüpft, welche die intrinsische Motivation schrumpfen lassen können. Ein Grundelement der intrinsischen Motivation ist genau wie bei einem Spiel die Freiwilligkeit. Geht diese verloren, sinkt oder verflüchtigt sich auch die intrinsische Motivation. Sobald ihnen also jemand sagt, sie müssen ihr Hobby jetzt sofort ausführen, sinkt ihre Motivation das auch zu tun. Belohnungen können also gefährlich sein und genau das Gegenteil bewirken, als was sie eigentlich wollen. Ein Experiment von LEPPER, GREENE und NISBETT (1973) zeigte auf, dass das Anbieten von Belohnungen an Kindern fürs Malen ihr Interesse daran verringerte.

Dieses Problem findet sich generell recht häufig in unserem Schulsystem. Die Kinder haben einen natürlichen Lerndrang, welcher sich aber recht schnell verflüchtigen kann wenn sie zum Lernen aufgefordert werden, und aus dem „wollen“ ein „müssen“ wird. In New York gibt es eine Schule, welche durch spielerische Elemente die intrinsische Motivation wieder zurückgibt. In „Quest to Learn“ bekommen die Schüler z.B.keine Hausaufgaben aufgebrummt, sie müssen sie selber finden. Das bedeutet diese sind wirklich irgendwo im Gebäude versteckt, und es ist eine Herausforderung sie zu finden und als erster zu lösen. Dies erinnert ein bisschen an die berühmte Geschichte von Tom Sawyer, der einen Zaun streichen muss, und die andern Kindern dazu bewegen kann, für ihn die Arbeit zu erledigen und dafür sogar noch bezahlen (mit einem Apfel). Hüten Sie sich also davor falsche Belohnungen auszusetzen, und überlegen Sie sich gut wann Sie diese ausbringen. Manchmal ist der Verzicht auf eine Belohnung wirksamer als die Belohnung selbst.

Quellen:

Experiment: http://courses.umass.edu/psyc360/lepper%20greene%20nisbett.pdf

Schule: http://schools.nyc.gov/SchoolPortals/02/M422/default.htm

Foto: http://www.instituteofplay.org/work/projects/quest-schools/quest-to-learn/